Was ist eigentlich Tai Chi?

Tai Chi ist eine traditionelle chinesische Methode der physischen und mentalen Schulung und entstammt den Selbstverteidigungskünsten des alten China, welche als Wushu oder Kung Fu im Westen bekannt wurden. Die Bewegungsformen und Bewegungsabläufe des Taichi sind überliefert und vorgegeben. Diese werden je nach Stilrichtung in genauen Abläufen als Sequenzen wie in einer Art Choreographie zusammengefügt. Sie werden von einer imaginären Vorstellungskraft geführt und von einer ruhigen, natürlichen, gleichmäßigen und tiefen Atmung begleitet.

Das Tai-Chi wird durch fließende, weiche und runde Bewegungen charakterisiert. Durch die ruhige, rhytmische und sanfte Art der Ausführung wird eine harmonische Ruhe und innere Kraft aufgebaut. Der ständige Wechsel der einzelnen Bewegungen ist durch Aktion und Ruhe gekennzeichnet, entsprechend den Regeln von Yin und Yang.
Das Taichi vermittelt den übenden und den Zuschauern eine anmutige Ästhetik, welche man körperlich spüren und genießen kann. Auf den übenden wirkt es zugleich entspannend, beruhigend, erheiternd und erfrischend. Nach Auffasssung der traditionellen chinesischen Medizin entwickelt und erhält das Taichi das Qi (die Lebenskraft) des Menschen und regt es zugleich an. Dieses Qi fließt in den Meridianen (Energieleitbahnen) welche den Körper durchziehen und diesen mit Lebensenergie versorgen. Diese Energie erhält die Funktionsfähigkeit des Körpers und fördert seine Vitalität. Durch das Tai-Chi wird das Qi stimuliert, die Funktionsfähigkeit des Körpers verbessert, geistige Klarheit sowie die Konzentrationsfähigkeit gesteigert. Die Gesundheitsfördernden Wirkungen des Taichi wurden in mehreren Studien wissenschaftlich nachgewiesen und belegt. Aus diesen Gründen wird Tai Chi häufig zum Zwecke der Krankheitsvorbeugung und -behandlung sowie zur geistigen Schulung und Meditation eingesetzt.

Ratschläge zum Lernen und der Ausbildung

Es ist ratsam Tai Chi Chuan mit mehreren Interessenten gemeinsam in einer Gruppe zu lernen. Dadurch kann man nicht nur voneinander lernen und eventuelle Probleme gemeinsam lösen, sondern auch besser am "Ball" bleiben. Außerdem macht es mehr Spaß und es ist geselliger, in einer Gruppe das Taiji zu üben.
Häufig kann man gerade auch bei anderen sehen, was man selber falsch macht, oder was verbesserungswürdig ist. Wie bei jeder anderen Ausbildung erfordert das erlernen von Taichi Ausdauer und Beharrlichkeit. Neben der Unterrichtsstunde bzw. der Gruppenarbeit sollte man nach Möglichkeit versuchen, jeden Tag etwas zu üben. Es ist ganz wichtig während der Ausbildung regelmäßig zu üben. Durch das regelmäßige üben kann das Niveau allmählich erhöht und das Taijiquan korrekt ausgeführt werden.

Die Grundvoraussetzung für Taichi ist unter anderem, daß man es in der äußeren Form korrekt betreibt. Es ist nicht richtig, so schnell und so viel wie möglich zu lernen. Vielmehr sollte man Wert darauf legen, sich Zeit zu lassen und schrittweise zu lernen. Hat man bestimmte Schritte, bestimmte Armbewegungen, eine bestimmte Figur oder Teile davon noch nicht verstanden oder beherrscht diese noch nicht, dann sollte man vorerst nicht noch zusätzlich etwas Neues probieren, sondern soll erst einmal an dieser Figur weiterüben, bis man auch den schwierigsten Teil davon beherrscht. Erst dann geht man in seinem Programm weiter.

Tai Chi ist nicht vergleichbar mit gewöhnlichen Sportarten oder KörperÜbungen, die relativ hohe körperliche Belastungen mit sich bringen. Es beinhaltet trotzdem ein bestimmtes Belastungspensum, weil man Arme und Beine in einer bestimmten Körperhaltung bewegen muß. Wie lang und wie häufig man Tai Chi Chuan übt, hängt neben der Motivation noch von der jeweiligen Konstitution und den sonstigen körperlichen Alltagsbelastungen ab. Normal gesunde Menschen können ohne weiteres mehrmals täglich je eine halbe Stunde üben. Es ist besser mäßig, aber regelmäßig zu üben. Eine deutliche Verbesserung der Kondition ist dann bereits in einem frühen Stadium der Ausbildung feststellbar.

Ganz wichtig ist auch das man das Tai-Chi langsam und gleichmäßig ausführt. Gerade durch langsame Bewegungen kann man die einzelnen Elemente genau erlernen. Von Anfang an soll man sich an ein gleichmäßiges Tempo gewöhnen, das Tai-Chi sollte man von der ersten bis zur letzten Folge mit Ausnahme weniger Stellen, mit gleicher Geschwindigkeit ausüben.

(Yang Chengfu (1883 - 1936) über das lernen und die Ausbildung in Tai-ji-quan):
"Es ist leicht Taijiquan zu erlernen, aber es ist schwer, den eingeübten Fehler zu korrigieren."
Mit Ungeduld und überstürztem Lernen erschwert man sich nur den eigenen Weg zum Erfolg. Wenn diese Menschen ihre Form des Tai Ji Quan an jemanden anderen weitergeben, dann geben sie auch ihre Fehler weiter. Das ist im Augenblick die größte Sorge vieler Lehrer für die Zukunft des Taichi. Beim Tai-Chi sollte man zuerst die Form erlernen, d.h. man sollte sich in den einzelnen Bewegungen, Positionen und Folgen von einem guten Lehrer unterweisen lassen und geduldig, ruhig und konzentriert lernen. Durch Nachahmen sollte man versuchen, den Sinn und das Wesen des Gelernten zu ergründen und die gezeigte Form zu behalten. In dieser Phase sollten die Lernenden auf die Wechselbeziehung zwischen innen und außen sowie zwischen oben und unten achten.

Auf das Innen achten heißt, das Yi (Intention, wird auch mit Absicht oder Wille übersetzt) und nicht die rein körperliche Gewaltkraft einzusetzen. Auf das Außen achten heißt, die großen Gelenke wie Schultern, Ellenbogen, Hüften und Knie locker zu lassen. Auf das Oben achten heißt, den Kopf und die gesamte Wirbelsäule natürlich und gerade aufzurichten. Und auf das Unten zu achten heißt, das Qi in die Tiefe des Bauches zum Dantian hinab zu führen. So bleibt der ganze Körper stabil und gewandt zugleich. Alle Körperteile reagieren aufeinander wie in einer Kette.
All diese Hinweise sind für Anfänger besonders wichtig. Wenn sie tagtäglich durch üben versuchen, diese Hinweise zu erkunden, dann können sie diese am eigenen Leib erfahren. Daher sollte jeder die einzelnen Bewegungen der Hände und der Beine ganz genau erlernen.