Der Gesundheitsaspekt

Seit langem ist den Chinesen bekannt, daß man Krankheiten durch körperliche Übungen vorbeugen und vermeiden kann. Bereits in dem Medizinklassiker Huang-Di Nei-Jing finden sich viele Hinweise auf körperliche Übungen (Dao-Yin) zur Krankheitsvermeidung und Gesunderhaltung. Bereits Hua-Tuo, ein berühmter Arzt des chinesischen Altertums (Han-Dynastie 202 v. Chr. bis 220 n. Chr.) schrieb: "Wenn der Mensch körperlich aktiv ist, dann kann das Qi der Getreide gut vom Organismus verwertet werden und der Blutkreislauf kann zügig zirkulieren." Von ihm stammen auch die ältesten schriftlich belegten Aufzeichnungen über Qigong (Wu-Qin-Xi das Spiel der fünf Tiere - Qi Gong).

Die Gesundheitsfördernde Wirkung des Tai-Chi wurde bereits mehrfach wissenschaftlich nachgewiesen und dokumentiert. Das regelmäßige üben von Taichi stärkt schonend Muskeln, Sehnen, Knochen und Gelenke. Die ruhige und gleichmäßige Atmung stimuliert die inneren Organe und den Stoffwechsel. Die Einflüsse auf das Zentralnervensystem (ZNS) bewirken mittelfristig eine harmonische und ausgeglichene Gemütslage. Tai-Chi ist eine Körperübung, welche die Stimmung aufheitert. Man fühlt sich hinterher sowohl körperlich als auch geistig wohl und entspannt.

Weiterhin wirkt Tai-Chi auf Herz- und Kreislaufsystem, auf die Verdauung, den Stoffwechsel und insbesondere auf den Bewegungsapparat. Gerade Störungen im Bereich des Wirbelsäule können gut beeinflußt und verbessert werden. Durch die spezielle Körperhaltung beim üben des Taichi werden die Bandscheiben entlastet und durch die Haltungsschulung auch bestehende Fehlhaltungen korrigiert.

Der Meditationsaspekt

Durch Bewegung Ruhe finden.
Diese Umschreibung trifft eigentlich genau den Kern bzw. das Wesen des Taichi. Bei dem Ausüben des Tai Chi geschieht die Meditation durch Bewegung. Durch die sanft rhytmisch und harmonische Abfolge der einzelnen Sequenzen der Taichi-Form kommt der übenden in einen Zustand des ruhigen, klaren und Gedankenleeren Zentriertseins. In diesem Zustand der vertieften Ruhe und gedanklicher Leere verschafft man sich die Möglichkeit für eine schöpferisch geistige Leistung - das sich Erkennen und das sinnliche Betrachten. So öffnet sich der Weg für die Erweiterung des Bewußtseins, die Vertiefung des Gedankens und die klare Intuition.

Die Wirkung des Taichi als Meditation beruht in erster Linie darin, daß der übende durch die konzentrierte Ausübung der Taichi-Form, der bewußten Führung der Bewegung und Atmung, sowie des Herabsenken des Qi in das untere Dantian - die Voraussetzungen für die Meditation schafft, nämlich die Abschaltung der Störfaktoren von Außen und Innen. Das Loslassen, die entspannte aufrechte Haltung, die sanfte Bewegung und die richtige Atmung forcieren die Entwicklung der inneren Kraft!

Der Selbstverteidigungsaspekt

Das Tai-Chi-Chuan wird zu den sogenannten inneren Kampfkünsten gezählt. In den chinesischen Selbstverteidigungs- bzw. Kampfkünsten (Wu Shu bzw. Kung Fu) unterscheidet man zwischen einer inneren Schule (Nei-Jia) und einer äußeren Schule (Wai-Jia). Die äußeren Schule betont sowohl bei einem Angriff, als auch bei der Verteidigung vor allem Muskelkraft, Schnelligkeit und die direkte Konfrontation mit dem Gegner. Hierzu zählen z.B. die Kampfkünste aus dem Shaolin-Kloster. Auch das sehr populäre Wing Tsun, das japanische Karate und das koreanische Tae-Kwon- Do sind weitere Beispiele für die Kampfkünste der äußeren Schule. Die innere Schule der Kampfkünste betont vor allem das Training und die Mobilisierung der inneren Kraft (Nei Jing) sowie langsame Bewegungen. Zudem versucht sie, drei bestimmte Angriffs- bzw. Verteidigungsprinzipien umzusetzen. Zum einen soll das Starke und Harte durch das Schwache und Weiche überwunden werden. Zum anderen versucht man, sich dem Stil des Gegners anzupassen und ihn mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Zu den inneren Kampfkünsten zählen neben dem Tai-Chi-Chuan auch das Xing-Yi-Quan (eine Faustkampftechnik, welche die typischen Bewegungen von Tieren nachahmt) und das Ba-Gua-Zhang (eine Faustkampftechnik, welche aus dem taoistischen Orakel der "Acht Trigramme" entwickelt wurde).