Der Chen-Stil

Das Taijiquan der Familie Chen aus Chenjiagou gilt als Urform des Tai-Chi.
Als Begründer des Chen-Stils gilt Chen Wangting, ein General der Ming-Dynastie. Nach seinem Ausscheiden aus der Armee studierte er Daoyin und Tuna. Er wurde von den daoistischen Lehren stark beeinflußt und verknüpfte diese erstmals mit der Kampfkunst. Er verband Elemente des gesundheitsfördernden Qigong mit Elementen des Wushu. Er nahm Bewegungen aus der Selbstverteidigung und überführte sie in eine von ihm entwickelte Form des Qigong, dem Cansigong, oder "Übungen der Seidenraupe". Auch führte er das System der Akupunkturleitbahnen (Jing Luo) in die Kampfkünste ein und entwickelte hieraus das System Tuishou, oder "schiebende Hände".

Auch wenn in den letzten Jahrzehnten Legenden über einen mystischen Urprung des Taichi verbreitet wurden, gilt es doch als historisch erwiesene Tatsache, dass die heute bekannten System des Chen-, Yang-, Wu-, Sun- und Zhaobao-Stils aus dem Chen-Familienstil hervorgegangen sind. Eine weitere Entwicklung innerhalb des Chen-Stils nahm das Taichi durch Chen Changxing. Er entwickelte die beiden Formen (Yilu und Erlu Laojia). Die erste Form Laojia Yilu diente als Grundlage für alle später entstandenen Stile.
Chen Youben erschuf ebenfalls eine neue Form, das als Xiaojia, oder kleiner Rahmen bekannt wurde. Die Bewegungen entsprechen in etwa der Abfolge der Laojia-Form, nur sind sie etwas enger gefasst. Diese Form wurde damals Xinjia, oder Neuer Rahmen bezeichnet.

In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde innerhalb des Chen-Stils ebenfalls eine Veränderung vorgenommen. Die Bewegungen der ersten und der zweiten Form wurden noch spiraliger. Während Laojia im Prinzip aus gleichmäßig langsamen Bewegungen besteht, die nur durch explosionsartige Fajin-Bewegungen unterbrochen werden, so ist die neue, ebenfalls als Xinjia, Neuer Rahmen, bezeichnete Art durch Tempowechsel verschiedenster Intensität gekennzeichnet.

Das Chen-Taichi ist ein geschlossenes, in sich perfektes System des Taijiquan.